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🎧 Podcast: Doing Science Differently

Anita Waltho ist eine Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Thomas Sommer – und sie gehört zu den Berliner Nachwuchswissenschaftler*innen, die gemeinsam eine Podcast-Reihe ins Leben gerufen haben. Der Podcast zeigt, wie sich das Arbeitsumfeld in der Forschung ändert. Sehr empfehlenswert!

Wie wirken sich Erfolgskriterien in der Forschung auf die Integrität der Wissenschaft aus? Warum gibt es gerade im akademischen Umfeld öfter Machtmissbrauch und Belästigung und was können wir dagegen tun? Das sind nur einige der Fragen, die Berliner Nachwuchswissenschaftler*innen gemeinsam mit Gästen in ihrem Podcast „Doing Science Differently“ diskutieren. Die kleine Podcast-Reihe widmet sich vier zentralen Themen, die die akademische Forschung betreffen: Reproduzierbarkeit von Ergebnissen, Machtmissbrauch, Erfolgskriterien und psychische Gesundheit. In jeder Episode diskutieren sie mit einem Gast, der oder die zukunftsweisende Lösungen vorantreibt. 

Die Podcast-Folgen

Machtmissbrauch und Belästigung

Es mehren sich die Anzeichen, dass Mobbing und Belästigung am Arbeitsplatz öfter vorkommen und eher strukturell bedingt sind, als es öffentlich zugegeben und diskutiert wird. Darunter leiden psychische Gesundheit und Motivation. Glücklicherweise werden Tabuthemen wie Machtmissbrauch inzwischen angesprochen und aktiv angegangen. Diese Episode stellt Initiativen an Berliner Institutionen vor, die sich mit diesen Problemen auseinandersetzen – darunter die Anti-Harassment-Taskforce am Max Delbrück Center, die neue Leitlinien gegen Diskriminierung, Mobbing und Belästigung erarbeitet hat. Professorin Sabine Oertelt-Prigione hat die Reformen als Forscherin und Organisationsberaterin begleitet: „Wir versuchen (…), eine kritische Masse von Menschen zu formen. Menschen, die solche Geschehnisse in Worte fassen können, die lernen, damit anders umzugehen und gemeinsam auf einen Wandel hinzuarbeiten.“

 

Reproduzierbarkeit von Ergebnissen

Forschung ist innovativ und korrigiert sich selbst – oder doch nicht? Riskieren wir die Belastbarkeit unserer Daten, wenn wir nur nach Neuem streben, nach Durchbrüchen? Im Jahr 2011 hat das Center for Open Science mit einem Projekt begonnen, das diese Frage für die Krebsforschung beantworten sollte. Die Expert*innen haben versucht, die Ergebnisse von 50 wegweisenden Publikationen aus den Jahren 2011 und 2012 zu replizieren. Dr. Tim Errington, Forschungsleiter am Center for Open Science und Manager des „Reproducibility Project: Cancer Biology“, war Gast der zweiten Podcast-Episode. Hörer*innen erfahren mehr über Reproduzierbarkeit von Ergebnissen und welche Faktoren sie beeinflussen, welche Herausforderungen das Projekt mit sich brachte und was Forscher*innen selbst tun können, um Reproduzierbarkeit sicher zu stellen und ihre Einstellung zu Fehlern zu ändern.

 

Erfolg in der Wissenschaft

Wollen wir die Forschung vorantreiben oder unsere eigene Karriere? Was macht einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin „erfolgreich“? Und was hat Glück damit zu tun? Themen wie die Beurteilung von Forschung, Integrität und die Abwanderung aus der Wissenschaft rücken in den Fokus. Zu verstehen, wie Evaluationen die Integrität der Forschung beeinflussen, wird immer wichtiger. „Ich war unglücklich mit meiner Forschung, damit, was ich tat. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht ganz ehrlich sein durfte“, sagt Dr. Noémie Aubert Bonn im Podcast. Die Hörer*innen erfahren, wie sie von der Neurowissenschaft und der Psychologie zur Metaforschung kam, warum sie sich mit Bioethik – und vor allem der Integrität der Forschung – beschäftigt. Und was Nachwuchswissenschaftler*innen tun können, um in ihrer Karriere erfolgreich und integer zu sei.

 

Psychische Gesundheit

Die Wahrscheinlichkeit, depressiv zu werden oder eine Angststörung zu entwickeln, ist für Doktorand*innen etwa sechs Mal so hoch wie für die restliche Bevölkerung. Der hohe Druck und auch andere Aspekte in der akademischen Forschung verstärken oder verursachen sogar psychische Probleme. Dennoch ist die psychische Gesundheit immer noch mit einem Stigma belegt und es fehlt institutionelle Unterstützung. Dragonfly Mental Health ist eine weltweit agierende gemeinnützige Organisation, die das Klima und die Kultur rund um das Thema im wissenschaftlichen Umfeld zu verändern – mit Seminaren, Trainings und indem es die Peers vernetzt. In der vierten Podcast-Folge erzählt Dr. Wendy Ingram, CEO und Mitgründerin von Dragonfly Mental Health, was es mit der Organisation auf sich hat und wie sie selbst dazu gekommen ist, sich für die psychische Gesundheit von Akademiker*innen einzusetzen. Sie sagt: „Irgendwann haben wir bemerkt, dass jeder zu kämpfen hat, dass jeder eine wirklich harte Zeit durchmachte. Aber niemand hat darüber gesprochen. Jeder und jede dachte, er oder sie wäre allein mit diesen Problemen.“

 

Wie alles begann

SPOKES, ein Projekt der Partnerschaft zwischen BIH / Charité und Wellcome Trust hat eine Gruppe von Nachwuchsforscher*innen zusammengebracht – darunter ehemalige Doktorand*innen am Max Delbrück Center, Marta Oliveira und Eric Danner – die die Wissenschaft von unten verbessern wollen, egal ob es nun um psychische Gesundheit geht oder um die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen. Dieser Think Tank bekam eine kleine Förderung für ein Projekt eigener Wahl, das die Translation, die Kultur und die Praxis der Forschung in Berlin und darüber hinaus positiv beeinflussen sollte.

Anita Waltho

Nach intensiven Debatten skizzierte die Gruppe ihre Podcast-Idee: Der Podcast sollte jene Initiativen und Einzelpersonen ins Scheinwerferlicht rücken, die bereits das akademische Umfeld positiv verändern. Ein Teil-Team stellte sich der Herausforderung und „Doing Science Differently“ war geboren. In den folgenden Jahren lernte das Team zu podcasten, interviewte Gäste, bereitete jede Episode mit stundenlanger Recherche vor, transkribierte die Inhalte, fand einen Tontechniker und mich – Anita Waltho, derzeit PhD-Studentin am Max Delbrück Center – als Social Media und Marketing-Managerin. Im November 2022 erschien der Podcast schließlich (Twitter: @DoSciDiff) und ist nun überall erhältlich, wo es Podcasts gibt.

Text: Anita Waltho 

„Doing Science Differently“ ist ein Projekt von: Tracey Weissgerber (SPOKES-Manager), Friederike Kohrs (Projekt-Managerin), Constance Mary Holman (Projekt-Managerin), Constantin-Yves Plessen (Host und Produzentin), Joachim Fuchs (Produzent), Christine Knoll (Host und Produzentin), Marta Oliveira (Produzent), Eric Danner (Host), Anita Waltho (Marketing-Managerin) und Georgio Cattaneo (Tontechniker).

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